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Burg Acquarica und Binsen-Museum
Die Burg von Acquarica bildet den Mittelpunkt des alten Ortes, doch die geläufige Bezeichnung „mittelalterlich“ verdeckt eine komplexere Geschichte. Eine vermutlich im 12. Jahrhundert entstandene viereckige Befestigung maß etwa vierzig Meter pro Seite und besaß vier Türme. Ein großer Teil des heute Sichtbaren geht auf Umbauten des 15. und 16. Jahrhunderts zurück. Nur ein Rundturm blieb erhalten; sein unregelmäßiges Mauerwerk, horizontale Wulstgesimse und kleine Hängebögen gehören zu einer späteren Verstärkung der Anlage.
Das Gebäude bewahrt auch Spuren nichtmilitärischer Nutzung. Erdgeschossräume dienten als Lager, das Obergeschoss als Adelssitz. Im Hof finden sich in der ehemaligen Palastkapelle des heiligen Franziskus Wandmalereifragmente und bei Restaurierungen entdeckte Bestattungen. Wappen erinnern an die Feudalfamilien von Acquarica; ein großer monolithischer Steinbehälter, die sogenannte Pila di Pompignano, wurde aus einer aufgegebenen Landsiedlung hierhergebracht und steht heute im Hof.
Im Erdgeschoss erklärt das Binsen-Museum das Handwerk, das Acquarica weit über den Salento hinaus bekannt machte. Die örtlich paleddhu genannte Sumpfbinse wurde von Hand geschnitten, sortiert, gekocht, getrocknet und mit Schwefel behandelt, bis sie hell und biegsam war. Handwerkerinnen flochten Körbe, Tragetaschen und Filter für Olivenpressen; im 19. Jahrhundert erreichten ihre Waren internationale Märkte und wurden 1873 auf der Wiener Weltausstellung ausgezeichnet. Das Museum verbindet die fertigen Stücke mit Feuchtgebietspflanzen, Saisonarbeit und handwerklichem Können.
Lage